Wer und wo ist Walter?

Das ist zwar auch Walter. Er hat auch einen Hund namens Wau, der an der Leine zieht. Auf dem rechten Bild kann man ihn mehrfach finden.

Aber mit unserem Walter hat der nichts zu tun.

Also, was hat es nun mit Walter auf sich?

Regen, Wolkenbrüche, Sturzfluten lösten einander täglich ab, Regentage im Februar 2025 gefühlt wie Wochen. Erkämpfte Sauberkeit ist nur von kurzer Dauer und lohnt sich nicht bei 32 Leonbergerpfoten im Haus. Was macht man also außer auf Sonnenstrahlen zu warten? Man durchstöbert die Seiten der europäischen Leonbergerclubs immer auf der Suche nach vereinsfremder Geneitk für die Zucht, durchforstet zahlreiche Stammbäume, die sich immer wieder ähneln. Davon wollten wir doch weg!

Als Lichtblick an so einem der zahlreichen langweiligen Regentage im Februar entdeckte ich das Foto eines Rüden, der in
Finnland lebt und dessen Namen ich noch nicht kannte. Guter Körperbau, kräftige Knochen und eine schönes rotbraunes Haarkleid zeichnen ihn aus. Na ja, ein Foto! Ein Name!? Gespannt schnüffelte ich nach seinem Stammbaum in der Database. Und siehe da, er war interessant, und es stellte sich heraus, dass er eine für uns ebenso interessante und schöne Hündin gedeckt hatte. Aber die Zuchtstätte Ohped Dal war für uns in Leonbergerkreisen recht unbekannt, bekannt aber für 30jährige Erfahrung in der Landseer-Zucht.

In solchen Fällen ist Facebook wirklich eine große Hilfe. Schnell waren die Züchterin und ihr Team aufgespürt, und tatsächlich war noch ein Rüde zu vergeben. Mir, als Züchterin. versprach Miia die erste Auswahlmöglichkeit. Aufgrund lediglich einiger Fotos ist das nicht leicht. Wegen der Importbedingungen würde er natürlich erst Mitte Mai zu uns umziehen können.

Ob sich die Züchterin darauf einlassen würde? Wie sieht der kleine Rüde vom Foto tatsächlich aus. Wie verträgt er die lange Reise. Immerhin müssen wir beide 30 Stunden auf der Fähre verbringen. Da Miia, die Züchterin, selbst eine Hündin behalten wollte, nahm sie den zusätzlichen Aufwand in Kauf.

Aber eine Reise nach Urjala in Finnland will gut geplant sein. Allein mit dem Auto? Zu weit! Zu anstrengend! Also kam nur eine Reise mit Fähre und Auto in Betracht. Ob das klappt? Der Kontakt und Informationsaustausch war zeitweise zäh. Ein Kaufvertrag in Finnisch ist auch nicht gerade mal eben formuliert. Man kennt sich ja auch nicht und braucht auf beiden Seiten einen großen Vertrauensvorschuss. Halten sich alle an die Absprachen? Es gab zahlreiche Hürden und Zweifel. In solchen Fällen halfen wie immer Johanna und Kai Störkel. Ihnen gilt unser ganz besondere Dank, ohne sie und ihre Übersetzungen wäre das ganze Vorhaben vielleicht gescheitert.

Nach und nach wuchs die Vorfreude, ein neuer Führerschein wurde rechtzeitig ausgestellt, ein Name für den Rudelzuwachs gefunden, seine notwendigen Impfungen wurden durchgeführt. Und wie sieht es mit einem Europäischen Impfausweis mit „echten“ Unterschriften und Stempel des Tierarztes aus? Man reist ja schließlich nach Deutschland mit ihm ein. Hm !!!?

Am 9. Mai abends begann das Abenteuer dann endlich! Alles war besprochen, Fährpassagen nach Helsinki und Unterkunft für zwei Nächte in Vesilahti gebucht, die Verpflegung der übrigen Leos mit Sieggie, der die Stellung zu Hause halten musste, durchgeplant und aufgeschrieben.

Sehr rechtzeitig am Check In in Travemünde angekommen,  erfuhr ich von der netten uniformierten Angestellten, dass mein Ausweis gerade abgelaufen sei, und sie mich nicht mitnehmen könne. Auch mein brandneuer Führerschein konnte sie nicht beeindrucken. Dabei hatte ich den Ausweis doch gerade vor einiger Zeit neu ausstellen lassen. Wie doch die Zeit vergeht. Netterweise hatte sie ein kleines Zettelchen mit der Adresse der Bundespolizei in Bad Schwartau zur Hand. Dort sollte ich mir eine Reisegenehmigung ausstellen lassen. Also irrte ich um 23.00 Uhr nachts durch das fast völlig unbeleuchtete Bad Schwartau und fand nach einigen Fehlversuchen das ebenso finstere Gebäude der Bundespolizei.  Die umfangreichen, unwirschen Belehrungen der Beamten über das, was ich eigentlich vor dieser für sie überflüssigen Urlaubsreise hätte tun müssen, ließ ich über mich ergehen. Spätestens jetzt hatte ich gelernt, was ich vor der Reise hätte tun müssen. Im Besitz eines für eine Woche gültigen Reisedokuments und inzwischen etwas in Eile sauste ich über die Umgehungsstraße der Stadt, bis einer dieser kostenpflichtigen Blitze den Nachthimmel erhellte. Nun hatte ich auch noch gelernt, was ich eigentlich hätte nicht tun dürfen.

Die nette Dame am Check In war nun mit mir einverstanden, und als drittletztes Fahrzeug durfte ich die Rampe zum Autodeckt rückwärts hochfahren und auf der Rampe dann auch gleich parken. Aber wer als letzter kommt fährt zuerst wieder herunter.

Es war geschafft! Einige dicke Steine polterten mir vom Herzen. Nicht auszudenken, was gewesen wäre, wäre ich zu spät gekommen. Um 3.00 Uhr ging es endlich los. Meine Außenkabine mit Blick in den Sternenhimmel war in Kürze gefunden, und bei dem gemütlich brummenden Motorengeräusch der ablegenden Fähre schlief ich gespannt auf den nächsten Tag bald ein.

Der folgende Tag war der Erholung gewidmet. Gelegentlich konnte man noch Land und Windräder sehen, aber bald war da nur noch ruhiges Wasser, ein wenig Wind, viel Sonne, ein ausgiebiges Frühstück, ein gemütlicher Liegestuhl auf Deck und ein spannendes Buch.
Das ein wenig in die Jahre gekommene Fährschiff brummte ruhig vor sich hin.

Die Sonne ging auf der einen Seite der Fähre wunderschön orange unter und der Mond auf der anderen Seite mit seinen etwas kälteren Licht im Wasserdunst auf. Die Vorfreude auf Walter wuchs, und beim ersten Gang auf Deck am nächsten Morgen konnte ich Helsinki vor mir schon erahnen.

Es war noch Zeit für ein leckeres Frühstück mit viel Lachs und unterschiedlich zubereitetem Hering, das für den ganzen Tag reichen sollte, denn ich wusste ja nicht wie der Rest des Tages verlaufen würde, und ob ich die Möglichkeit für ein Abendessen mit Walter hätte. Wie ist Walter? Werde ich ihn auch finden? Ist er tatsächlich so hübsch wie auf den Fotos? Sind seine Papiere in Ordnung, sodass ich mit ihm problemlos einreisen kann? Kann er in einem Hotel oder Restaurant sein? Weint er vielleicht? Hat er Heimweh? Oder vielleicht Angst? Was kennt er? Wird er etwas fressen? Ist er stubenrein oder muss ich die kommende Nacht bei Spaziergängen mit ihm auf der Wiese verbringen? In Finnland ist es zu der Zeit deutlich kälter als bei uns. Egal, er ist bestimmt toll.
Zur Not ist es ein Obsttag.

Anders als ich erwartet hatte, hielt sich der Verkehr auf der Ringstraße um Helsinki in Grenzen. Die Autobahn in Richtung Norden hatte ich schnell gefunden und kurz mal telefoniert. Zuhause war alles in Ordnung, Sieggie hielt die Ohren steif.
Auf der entschleunigten Autobahn konnte ich entspannt die schöne etwas kargere Landschaft genießen. Richtig eilig hatte es außer mir niemand.

So, und da war ich nun in der Straße, in der Walter wohnen sollte: verschlungene Wege und abseits der Straße im Wald versteckte Häuser, aber wo war Walter? Es gab Briefkästen an der Straße, Kinderspielzeuge auf Hausauffahrten aber keine Hausnummern. „Die brauchen wir nicht, wir kennen uns doch.“ Es war sonniges Frühlingswetter, die ersten schönen Tage in Finnland, mein Autofenster war offen, aber niemand war unterwegs, kein Auto, kein Fahrrad, kein Postbote, den ich hätte fragen können.  Die Lage des Hauses hatte ich mir häufig  angesehen, aber auch Google Maps konnte mir hier nicht weiterhelfen. Um 13.00 Uhr waren wir verabredet.  Langsam wurde es eilig, denn eigentlich arbeitet Miia um die Zeit.
Wie finde ich nun Walter? Irgendwo musste es doch Hinweise auf Leonberger geben!

Und da hörte ich sie plötzlich, viele Hundestimmen, laute, leisere , tiefe und hohe. Hier musste es sein. Freudig wurde ich von einigen schönen kräftigen Landseern,  einem kleinen Leonbergermädel und natürlich Miia begrüßt und über verschlungene Pfade ins Wohnzimmer geführt. Dort war nun endlich auch Walter! Lustig, frech und ohne irgendwelche Vorbehalte wurde ich fröhlich begrüßt.

Schnell war der Papierkram erledigt, der noch druckfrische spärlich ausgefüllte Impfpass angeschaut und lieber schnell wieder zugeklappt, ein kurzes, nettes Gespräch über die vielen Hunde, ein Stück Kuchen. Ich hatte es eilig, denn ich wollte mit Walter allein sein, weil ich gespannt darauf war, wie er den Auszug verkraften würde. Noch mal schnell seine Mutter angeschaut und los gings. Walter hockte ganz ruhig auf meinen Armen, ließ sich ins Auto setzen und machte sich ohne Umscheife über den dort bereitgelegten Rinderschwanz her. Von da an war alles ganz einfach.
Unsere Ferienwohnung am See in Vesilahti gefiel ihm, er forderte seine Mahlzeiten ein und heftete sich bei den Spaziergängen an meine  Fersen, als würde er mich schon immer kennen. Das hatte ich anders erwartet.

Gute etwas längere Spazierwege waren schwierig zu finden. Es gab viele große dicke Felsbrocken mit kargem Bewuchs, die meisten Wege führten zu abgelegenen Höfen. Trotzdem waren wir viel unterwegs, damit er abends müde war und die Nacht durchschlief.

Die Rückfahrt mit der ein wenig schlingernden Fähre bei starkem Wind verschlief Walter ungerührt und vertrauensvoll.
Diesmal gab es außer meinem mulmigen Gefühl im Bauch am Check In keine Probleme. Niemand interessierte sich erfreulicherweise für Walters Impfpass, die erforderlichen Aufkleber, Unterschriften und Stempel.

Zurück in Travemünde konnte nichts mehr schiefgehen.

Zu Hause angekommen beschnupperte ihn das Sumpflochrudel neugierig, nur Jochen war sich nicht ganz sicher, ob dieser freche Welpe da bleiben sollte. 
Walter ist nichts lieber, als mit Erika durch den Wald zu streifen und „Stöckchen“ zu schleppen.
Was er sonst noch bei uns so erlebt befindet sich unter:
https://www.sumpfloch-leos.de/unsere-leonberger/

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