Erster Schnee

In den letzten Tagen waren Frauchen und besonders auch Herrchen bei uns sehr geschäftig.
Er hat z.B.Frauchens Lieblingskamelie auf dem Wendeplatz ein Haus gebaut und es in dicke Klarsichtfolie
mit Luftbläschen eingewickelt.
Auch wir haben bemerkt, dass sich etwas ändert. Wo noch vor einigen Tagen wunderbare Matschlöcher waren, war die Erde plötzlich kalt und krachte unter den Füßen. Erst habe ich mich schrecklich erschrocken und die Pfote hochgehoben und auch Good Luck glitschte durch die Furchen, aber Unke erklärte uns, dass so etwas hier immer mal wieder vorkommt, völlig ungefährlich ist und im Gegenteil manchmal ganz besonderen Spaß mit sich bringt. Der Spaß heißt „Schnee“. Es gibt also einen Spaß, der „Schnee“ heißt.
Auch Frauchen und Herrchen sprachen immer wieder von „Schnee“. Ich wurde immer gespannter, wann dieser“Spaß“ nun losging, doch kein „Schnee“ kam. Im Gegenteil, der Morgen war langweilig wie eh und je, Frauchen und Herrchen gingen in die Schule, und als Antares dann doch einmal mühsam ein Auge aufklappte, habe ich ihn nach „Schnee“ gefragt. Er ist ja viel älter und weiß auch schon mehr als ich.
„Schnee“, hat er mir erklärt, „ist wenn überall weiße Flocken herumfliegen, und es kalt wird.“
Ich habe gewartet, nichts geschah, denn in diesem Hause passiert nichts von allein, für alles muss ich selbst sorgen. Als gegen Mittag immer noch nichts weiß und kalt wurde, habe ich die Sache in die Pfote genommen:

Ich bin auf die Eckbank im Flur gesprungen und habe aus dem Fenster geschaut, ob der „Schnee“ vielleicht von dort kommt, aber ich habe ihn nicht gesehen. Dafür fiel mein Blick auf die letzte weiche Menschen- decke auf der Bank.
Weil sie so lecker roch, habe ich angefangen, daran zu schnuffeln und sie ganz vorsichtig zu probieren. Rein zufällig ist sie an einer Ecke aufgeplatzt, da war er, der Spaß, der „Schnee“ heißt. Als ich meine Zähne und Pfoten hineinsteckte flog er leicht, weiß und locker durch die Luft. Schnell war der ganze Flur voll davon, und alles sah wunderschön aus. Alle haben mir mit geholfen. Ich habe mir dann noch ein Handtuch vom Schrank geholt, mich mitten hineingesetzt und auf das Kaltwerden gewartet.

Aber ehe die Kälte kam, erschien Herrchen.
So richtig gefreut hat er sich allerdings nicht über meinen „Schnee-Spaß“.
Er hat den Besen geholt und alles weggefegt. Manchmal versteht er einfach keinen Spaß, nicht einmal, wenn er „Schnee“ heißt.
Der Tag verlief wie jeder andere: Frauchen durch den Wald begleiten, ausruhen, Abendessen und zum Kuscheln aufs Sofa drängeln.
Good Luck konnte natürlich wieder wie jeden Abend nicht an sich halten und musste einen an Terror grenzenden Aufruhr machen.
Sie kläfft dann in den höchsten schrillen Tönen, so dass man es nicht aushalten kann. Damit Ruhe ist, fliegt sie dann immer für ein „Stündchen“ raus ins Gehege.

Ich wäre gern mitgekommen, um noch mal zu gucken, ob „Schnee“ doch noch kommt, aber auf dem Sofa war es so gemütlich.
Wir hatten Good Luck fast alle ganz vergessen, als sie plötzlich mit ihren Vorderfüßen wie eine Wilde gegen die Wohnzimmerfensterscheibe trommelte. Sie kann nichts langsam und vorsichtig machen. Herrchen sprang auf, um sie herein zu lassen. Was da zur Tür hereinkam, haben wir fast nicht mehr erkannt. Sie war kein schwarzes Wollknäul mehr, sondern über und über mit nassem, weißen Glitzerkram bestreut.
Als sie sich übermütig schüttelte bekamen wir alle etwas davon ab.

Schnell sprangen wir vom Sofa, um zu gucken, wer das Weiß dort draußen verteilt hatte, es einzufangen und wegzujagen. Es war überall um uns herum, lag auf dem Fell, fiel auf die Augen, bedeckte den ganzen Boden und machte ihn nass und glitschig. 

Es machte Spaß darin herumzurennen, es mit der Nase über den Boden zu schieben, es sich gegenseitig aus dem Fell zu lecken.
Das war also der Spaß, der „Schnee“ heißt !!!!

An dem Abend wollten wir gar nicht mehr ins Haus, wir hatten viel Spaß und wurden schneeweiß und klitschenass.
Colja erzählte, dass es davon im vergangenen Jahr ganz viel gab und ich wünsche mir, dass auch in diesem Jahr noch viel
Schneeeeee kommt.

Tag für Tag habe ich gewartet und insgeheim habe ich schon vermutet, dass Colja mir einen Bären aufgebunden hat, oder dass er – was wahrscheinlicher ist- mal wieder irgendetwas nicht richtig mitbekommen hat.
Mal kam Sonne und natürlich gabs auch Regen, aber Schnee kam keiner. Herrchen baute das Kamelienhaus wieder ab, es wurde warm und die ersten Blumen blühten auf. Das Vogelhaus wurde von zahlreichen Interessenten besichtigt, bis ein buntes Kleiberehepaar sich entschied dort einzuziehen.

Gänse zogen schnatternd in Richtung Osten über unser Haus, aber keine müde Schneeflocke zeigte sich am Himmel.

Gestern Abend allerdings bemerkten wir, dass sich wieder etwas änderte. Es war ganz leise draußen, kein Vogelgezwitscher, keine Gänse auf Reisen, nur auf dem Dach vom Glashaus raschelte es leise. Duff, duff … klang es an den Scheiben. So sehr wir auch aus dem Wohnzimmerfenster starrten, wir konnten nichts erkennen, denn es war stockfinster.

Wir gingen schlafen.

Heute Morgen, als wir aufwachten, war immer noch alles ganz leise. Verschlafen räkelten wir uns, nur Good Luck machte schon wieder Aufruhr an der Küchentür, als Herrchen in den Flur kam und die Haustür öffnete.Wir stürzten wie jeden Morgen die Treppe hinunter und wollten gerade ansetzen, um eine imaginäre Mietzi unter die Blechdose zu jagen, als wir wie angewurzelt stehen blieben. Unsere Füße versanken im Schnee, alles war feucht und rutschig. Endlich richtiger Schnee!

Heute Morgen, als wir aufwachten, war immer noch alles ganz leise. Verschlafen räkelten wir uns, nur Good Luck machte schon wieder Aufruhr an der Küchentür, als Herrchen in den Flur kam und die Haustür öffnete.
Wir stürzten wie jeden Morgen die Treppe hinunter und wollten gerade ansetzen, um eine imaginäre Mietzi unter die Blechdose zu jagen, als wir wie angewurzelt stehen blieben. Unsere Füße versanken im Schnee, alles war feucht und rutschig. Endlich richtiger Schnee!
Schade, dass wir bald wieder ins Haus mussten, dabei roch es überall so gut nach Mietzi und auch Kaninchen waren da gewesen. Gern hätte ich die ein oder andere Spur verfolgt. Mir läuft dabei immer der Sabber im Maul zusammen. Aber anstelle von „Kaninchen“ gab es leckere Bröckchen zum Frühstück.
Es schneite weiter, und als es dann richtig hell war, durften Antares, Colja, Good Luck, Power und ich endlich raus ins Welpengehege.

Alles sah wunderschön aus, die Fichtenzweige hingen vom Schnee schwer beladen herunter und immer, wenn wir dagegen sprangen, kamen wir weiß bepudert darunter hervor. Das Haus der Familie Kleiber trug eine dicke weiße Mütze. Auch das steinerne Herrchen war nur noch unter rum nackt. Trotzdem fror er erbärmlich und schaute wie immer missmutig auf den Boden.
Nur die kopflose Gans war nicht mehr zu sehen. Vielleicht war sie mitgeflogen, es war nicht wirklich schade um sie, weil sie ausgesprochen langweilig ist.

 

Ich wollte nun ganz in Ruhe alle interessant riechenden Spuren im Schnee abschnuffeln, darauf hatte ich mich nun schon einige Stunden gefreut.
Aber Good Luck wollte wie immer ihr Lieblingsspiel spielen. Sie hat genervt und genervt, ist laufend mit ihrem Stöckchen vor meiner Nase auf und ab gerannt und hat dabei alle Spuren zertrampelt. Manchmal ist sie wirklich lästig.

Weder Antares noch Colja wollten dieses Spiel mit ihr spielen, weil es alle blöd finden, und sie sowieso immer gewinnt.

Sie ist so schnell und dreht sich so flink weg, dass man keine Chance hat, und wenn ich sie gerade so richtig schnell verfolge, bleibt sie einfach auf der Stelle stehen.
Bis ich dann gebremst habe, ist sie schon längst wieder in der Gegenrichtung unterwegs. Wenn ich dann völlig geschafft mit hängenden Ohren und langer Schlappbberzunge nach Wasser lechzend im Gehege stehe, stolziert sie mit ihrem Stöckchen vorbei.

So richtig viele Freunde macht sie sich damit nicht.

Nur heute hatte sie sich verrechnet !!

Ich habe sie verfolgt, Colja hat sie abgelenkt und so getan, als wollte er das Stöckchen haben


Ich habe sie verfolgt, Colja hat sie abgelenkt und so getan, als wollte er das Stöckchen haben

Diesmal habe ich gewonnen, Pech für die kleine Good Luck. Natürlich habe ich sie mal riechen lassen, aber mehr war nicht drin.

Doch bevor sie es mir erneut abjagen konnte, hat uns Frauchen ins Haus gerufen, denn nachmittags wollten wir alle noch einen großen Spaziergang machen. Schnee macht so viel Spaß, dass es schade ist, dass keiner im Haus liegt.
Um das sofort zu ändern, hatte ich eine glänzende Idee.
Die Menschendecke auf der Eckbank gab nach meiner letzten Attacke für richtigen „Schneefall“ ja nicht mehr genügend her. Schade, es war kein „Ersatz“ in Sicht, aber Frauchen hatte beim Staubsaugen die Badezimmertür einen klitze-kleinen Spalt offen stehen gelassen. Eigentlich darf ich dort nicht hinein, eigentlich…
Aber, weil Frauchen gerade nicht in Sicht war, sie hatte mit dem hungrigen heulenden Dreckschlucker im Wohnzimmer zu tun, habe ich meine neugierige Nase in den Schlitz gesteckt und die Tür ein wenig aufgedrückt.

Toll, was es in Badezimmern so alles gibt ! Eine große Auswahl an schneeweißen Dingen. Das erste bestand aus harten warmen Stangen, angenehm an der Nase aber nicht geeignet für „Schneefall“. Daneben hing eine harte silberne Klappe mit etwas weißem Weichen darunter.
Ich habe meine Nase ganz lang gemacht, meinen Popo habe ich lieber auf dem Flur gelassen und das weiße Ding angestupst. Es hat sich nicht gewehrt, sondern ist schlapp hängen geblieben. Da habe ich es vorsichtig ins Maul genommen und bin sofort geflohen, damit keiner merkt, dass ich es angeleckt habe. Aber das Teil hat mich verfolgt und wurde länger und länger. Wohin ich auch rannte es kam immer hinterher. Im Nu war der Flur voll von „Schnee“-Streifen.
Als ich dann gerade richtigen Schnee machen wollte, war der Flur voll Frauchen und voll Gebrüll. Sie war stinkesauer, hat alles wieder aufgewickel und unter der silbernen Klappe verstaut. Schnell habe ich mich ganz klein gemacht und meinen Popo in die Flurecke gedrückt. Ich dachte schon, dass der „Tag gelaufen“ wäre, war er aber nicht. Das Badezimmer blieb den Rest des Tages geschlossen. Vorbei der Spaß !
Stattdessen kramte Frauchen alle Halsbänder und Leinen zusammen und steckte Leckerlis ein. Alles deutete auf einen umfangreichen lustigen Spaziergang hin. Bei solchen Gelegenheiten dreht Antares immer richtig auf. Er hatte sich ja auch morgens noch nicht besonders angestrengt und hatte noch Kraftreserven.
Seine Spezialität ist es, über eine längere Strecke Anlauf zu nehmen, immer schneller zu werden und dann in den Blätterhaufen abrupt abzubremsen, so dass die Blätter nur so um ihn herumwirbeln und der Matsch spritzt. Dasselbe hat er in den Schneehaufen gemacht, und als er sich wieder daraus aufrappelte, war er voll Schnee und nicht mehr zu erkennen. Das möchte ich auch mal können, aber ich bin nicht so schnell.
Auf solchen Spaziergängen habe ich andere Aufgaben, die bei Schnee noch mehr Freude machen als sonst, für die unser Frauchen meistens kein Verständnis aufbringt, aber mit etwas Geduld wird sie das vielleicht noch lernen. Meine Aufgabe ist es, in dem Wald vor unserem Grundstück und in den angrenzenden Wäldern, also beinahe überall eine bestimmte Ordnung unter den tierischen Bewohnern aufrecht zu erhalten. Dazu muss ich natürlich gelegentlich die ein oder andere Spur verfolgen. Die Mäuse zusammenzuhalten, habe ich an die Mietzis deligiert, aber auch die dürfen sich natürlich nicht überall aufhalten. Am liebsten habe ich sie unter den Blechdosen oder auf den Bäumen. Dort können sie allerdings nicht ihrer Bestimmung folgen. Also drücke ich hier ab und an mal ein Auge zu.

Die Kaninchen sollten in den für sie vorgesehenen Bereichen bleiben und auch um die etwas kecken Rehe und Hirsche muss ich mich kümmern. Immer wieder ziehen sie in Rudeln durchs Unterholz und kommen unserem Garten besonders nachts sehr nahe. Ich möchte das nicht und muss deshalb natürlich tagsüber schon mal für Ordnung sorgen. Dass ich dabei dann und wann mal etwas länger wegbleiben muss, liegt doch in der Natur der Sache. Aber Frauchen meckert rum oder verschwindet ganz, so dass ich mir Sorgen mache, wenn ich zurück-komme, und sie nicht mehr da ist. Manchmal muss ich dann an die Leine und kann meine Arbeit nicht beenden. Meistens muss ich am Tag danach, noch länger für Ordnung sorgen, weil diese respektlosen Rehe dann überall herumwuseln. Sie sind ja willig, aber immer wieder vergessen sie die Regeln.



Leider dauerte der „Schneespaß“ nur drei viel zu kurze Tage.Es taute, der Bach im Wald war voll Schmelzwasser und überall standen die riesigen Supermatschpfützen, die wir so lieben. Ich habe lange über kurzweiligen Schneeersatz nachgedacht, geschaut und überall gesucht, um die langweiligen Morgende ein wenig unterhaltsamer zu gestalten. Nichts zeigte sich, das Badezimmer blieb geschlossen und auch Colja und Antares hatten keine Idee, bis mein Blick auf Frauchens Pflegekorb auf der Fensterbank fiel, ihr wisst schon, den, mit den Coljaundantaresfolterwerkzeugen.

Vorsichtig pierschte ich mich an die Eckbank heran und streckte meine lange schwarze Nase in Richtung Korb.
Es roch gut aus dem Korb, denn obenauf lag eine schon etwas gebrauchte Knistertüte. Ganz vorsichtig habe ich sie angehoben und ein wenig geöffnet. Wie durch Zauberei flogen weiche leichte Flocken durch die Luft auf den Boden. Sie waren zwar nicht so kalt und weiß wie Schnee, aber sie rochen so gut nach Maybee.

Es wird Frühling, die Farben ändern sich, auch die Farbe des „Schnees“ wird frühlingshaft.

Leider haben wir nie wieder Gelegeneheit bekommen, violetten Schnee zu verteilen, denn ab sofort wird in unserem Haushalt alles Obst und Gemüse im Schrank aufbewahrt. Nur die Pampelmusen, Zitronen und Apfelsinen bleiben auf der Anrichte stehen. Aber die wollen wir auch nicht.

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